Die Zeitarbeitsbranche in Deutschland beschäftigt laut BAP rund 870.000 Leiharbeitnehmer (Stand Ende 2025). Für die Personaldienstleister, die diese Einsätze vermitteln, ist Software kein Luxus — sie ist Überlebensinfrastruktur. Einsatzplanung, AÜG-Compliance, Equal-Pay-Berechnungen, Arbeitnehmerüberlassungsverträge — wer das noch mit Excel managt, verliert Geld und riskiert Bußgelder.
Das Problem: Die meisten ATS-Systeme auf dem Markt sind für Festanstellungen gebaut. Zeitarbeit hat fundamental andere Anforderungen. Statt einer linearen Pipeline (Bewerbung → Interview → Einstellung) brauchen Personaldienstleister zyklische Prozesse: Kandidat wird eingesetzt → Einsatz endet → Kandidat geht in den Pool → nächster Einsatz. Die Software muss diesen Kreislauf abbilden — nicht nur einmalige Einstellungen.
Was Zeitarbeit-Software können muss
AÜG-Compliance ist nicht optional
Das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) begrenzt die Überlassungsdauer auf 18 Monate beim selben Entleiher (§ 1 Abs. 1b AÜG). Tarifliche Abweichungen sind möglich, aber die Dokumentation muss stimmen. Eine Software, die Überlassungszeiten nicht automatisch trackt und bei Annäherung an die 18-Monats-Grenze warnt, ist ein Haftungsrisiko.
Equal Pay nach 9 Monaten (§ 8 Abs. 4 AÜG) ist der zweite Compliance-Punkt. Wenn kein einschlägiger Tarifvertrag greift, haben Leiharbeitnehmer nach neun Monaten Anspruch auf das gleiche Arbeitsentgelt wie vergleichbare Stammbeschäftigte. Ihre Software muss diese Frist überwachen und die Lohnanpassung automatisch berechnen können.
Einsatzplanung in Echtzeit
Ein Personaldienstleister mit 200 Leiharbeitnehmern im Einsatz plant täglich um. Krankheitsfälle, vorzeitige Einsatzenden, neue Anfragen — das Tagesgeschäft ist dynamisch. Die Software muss einen Überblick bieten: Wer ist wo eingesetzt? Wer ist verfügbar? Wer hat die richtigen Qualifikationen für den neuen Einsatz bei Kunde X?
Lohn- und Abrechnungsintegration
Zeitarbeitsfirmen erstellen zwei Arten von Abrechnungen: Die Lohnabrechnung für den Leiharbeitnehmer und die Rechnung an den Entleiher. Die Differenz zwischen Verrechnungssatz und Bruttolohn (minus Sozialabgaben) ist die Marge. Eine Software, die diese Berechnung automatisiert und an DATEV oder die Lohnabrechnung angebunden ist, spart Stunden pro Woche.
6 Lösungen im Vergleich
1. zvoove (ehem. LANDWEHR) — der Branchenstandard
zvoove (vormals LANDWEHR L1) ist die am weitesten verbreitete Software für Personaldienstleister in Deutschland. AÜG-Compliance, Einsatzplanung, Equal-Pay-Berechnung, DATEV-Schnittstelle — alles nativ integriert. Die Software kennt die deutschen Tarifverträge (BAP/DGB, iGZ/DGB) und berechnet Zuschläge automatisch.
Der Nachteil: Die Benutzeroberfläche zeigt ihr Alter. Die Migration auf die Cloud-Version (zvoove) ist noch nicht abgeschlossen, und der Funktionsumfang der Cloud-Version hinkt der On-Premise-Lösung hinterher. Für Personaldienstleister, die bereits mit LANDWEHR arbeiten, ist der Wechsel logisch. Für Neukunden ist das Preis-Leistungs-Verhältnis bei den günstigeren Alternativen oft besser.
2. Zoplenti — moderner Aufsteiger
Zoplenti ist eine vergleichsweise neue Lösung, die speziell für Zeitarbeit und Personalvermittlung entwickelt wurde. Cloud-nativ, moderne Oberfläche, integrierte Einsatzplanung. Die AÜG-Compliance-Features sind vorhanden, wenn auch weniger ausgereift als bei zvoove.
Stärke: Die Kombination aus Recruiting und Disposition in einer Oberfläche. Schwäche: Kleineres Ökosystem an Integrationen. Für mittlere Personaldienstleister (50-500 Leiharbeitnehmer) eine ernst zu nehmende Option.
3. Bullhorn — international, wenig deutsch
Bullhorn ist der Marktführer im angelsächsischen Staffing-Markt. Für deutsche Personaldienstleister ist es problematisch: Kein natives AÜG-Compliance-Modul, keine DATEV-Schnittstelle, keine deutschen Tarifvertragsdaten. Man kann Bullhorn konfigurieren, aber die Konfigurationskosten übersteigen bei Zeitarbeitsfirmen unter 100 Mitarbeitern schnell den Nutzen.
4. Concludis — Fokus auf Bewerber-Experience
Concludis bietet ein Bewerbermanagementsystem mit guter Karriereseiten-Funktionalität. Für Personaldienstleister, deren Hauptproblem die Bewerbergewinnung ist (und nicht die Einsatzplanung), kann es passen. Es fehlen aber die spezifischen Zeitarbeitsfunktionen: Keine Überlassungszeitenverfolgung, kein Equal-Pay-Rechner, keine Dispositionsplanung.
5. Compleet (ehem. Carerix) — niederländische Wurzeln
Compleet bedient den DACH-Markt mit einer Kombination aus ATS und Zeitarbeitsfunktionen. Die Stärke liegt in der Flexibilität der Workflow-Konfiguration. Für Personaldienstleister mit komplexen, kundenspezifischen Prozessen ist das ein Vorteil. Die AÜG-Funktionen sind vorhanden, wenn auch mit weniger Tiefe als bei zvoove.
6. Yena — für die Vermittlungsseite des Geschäfts
Ehrlich gesagt: Yena ist keine Zeitarbeit-Software. Wir haben keine Einsatzplanung, kein AÜG-Modul, keinen Equal-Pay-Rechner. Das wäre unehrlich zu behaupten.
Was Yena aber kann: Den Recruiting- und Vermittlungsteil des Geschäfts abbilden. Viele Personaldienstleister betreiben neben der Zeitarbeit auch Personalvermittlung — Festanstellungen, Executive Search, Direktvermittlung. Für diesen Teil des Geschäfts bietet Yena KI-gestütztes Kandidaten-Matching, Multi-Mandanten-CRM und DSGVO-konforme Datenverwaltung. Wer beides betreibt — Zeitarbeit und Vermittlung — braucht möglicherweise zwei Systeme. Oder eines, das beides kann (zvoove, Compleet). Die richtige Wahl hängt vom Geschäftsmodell ab.
Entscheidungsmatrix
| Anforderung | zvoove | Zoplenti | Bullhorn | Concludis | Compleet | Yena |
|---|---|---|---|---|---|---|
| AÜG-Compliance | Ja | Ja | Nein | Nein | Teilweise | Nein |
| Equal-Pay-Rechner | Ja | Ja | Nein | Nein | Teilweise | Nein |
| Einsatzplanung | Ja | Ja | Nein | Nein | Ja | Nein |
| DATEV-Schnittstelle | Ja | Teilweise | Nein | Nein | Teilweise | Nein |
| KI-Matching | Nein | Grundlegend | Ja | Nein | Grundlegend | Ja |
| CRM-Funktionen | Grundlegend | Ja | Ja | Grundlegend | Ja | Ja |
Die Tabelle zeigt: Wenn Zeitarbeit Ihr Kerngeschäft ist, kommen Sie an zvoove oder Zoplenti kaum vorbei. Wenn Sie Personalvermittlung betreiben und Zeitarbeit ein Nebensegment ist, lohnt sich der Blick auf CRM-stärkere Lösungen.
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